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"Das hätte ich auch nicht geglaubt, dass ich einmal so alt werde!"

Unser Clubkamerad Fritz Eisermann hat am 29. Oktober seinen 100. Geburtstag gefeiert. Seit seiner Jugend ist er dem SCC verbunden und hat gemeinsam mit seiner Frau Eva-Maria, die seit 2005 Mitglied im SCC ist, auch in den vergangenen Jahren regelmäßig an Ausflügen der Seniorenschaft teilgenommen. Nach seiner aktiven Zeit im SCC sang er über 50 Jahre als erster Tenor im BOC-Chor. Zahlreiche Auftritte führten ihn unter anderem in die Philharmonie und das Schauspielhaus Berlin. Gemeinsam mit seiner Frau lebt Fritz Eisermann immer noch in jener Wohnung, in die er 1959 eingezogen ist. Jeden Morgen deckt er ihr den Frühstückstisch. Doch nicht nur in dieser Sache ist er beständig.

Fritz Eisermann1Rolf Bindczus, Andreas Statzkowski, Fritz Eisermann und Dr. Klaus Henk (v. l.) zum 100. Geburtstag von Fritz Eisermann

Wie wird man 100 Jahre alt, Herr Eisermann?
Fritz Eisermann: Naja, als Kind haben sie gesagt, weil ich ein Acht-Monats-Kind war, „der lebt noch sieben Tage und dann ist es aus!“. Das hätte ich auch nicht geglaubt, dass ich einmal so alt werde! Manchmal glaube ich es heute noch nicht - und die Zeit ist auch eigentlich ziemlich schnell vergangen.

Seit wann sind Sie Mitglied im SCC?
Eisermann: Seit 1928, also seit 86 Jahren.

Wie sind Sie zum SCC gekommen und wo begann Ihre Zeit im SCC?
Eisermann: Das war durch meinen Bruder Hubert, der war schon Mitglied. Er war zwei Jahre jünger, Jahrgang 1916. Wir haben mit unseren Eltern damals in der Dernburgstraße gewohnt und sind dann immer zum SCC gelaufen. Da gab es noch den alten Platz an der Autobahn. Ich bin da erstmal mitgegangen und dann irgendwann eingetreten. Zunächst habe ich circa zehn Jahre Handball gespielt. Doch dann war mir das nichts mehr und ich bin zur Leichtathletik gewechselt und Mittelstreckler geworden. Ich habe aber meist an Mannschaftswettkämpfen teilgenommen, war selten als Einzelläufer unterwegs, und bin über die 100 und 200 Meter dann zu den 400 Metern gekommen.

Welche Ereignisse sind Ihnen heute noch besonders in Erinnerung?
Eisermann: Vor allem die Potsdam-Berlin-Läufe. Das war ein Staffellauf im Mai, an dem alle großen Vereine damals teilgenommen haben, der Polizeisportverein, der BSC und der Deutsche Sport Club, zum Beispiel. Das waren die größten Vereine zu der Zeit. Walter Blume und Otto Sauer haben die Strecke aufgeteilt. Es waren 50 Läufer und sie haben für jeden eine Strecke festgelegt, die man gut laufen kann. Das variierte von Läufer zu Läufer, es gab welche, die 200, 300, dann 500 oder 1000 Meter gelaufen sind. Ich bin immer 500 Meter gelaufen. Vom Ausgang der Avus zum Bahnhof Witzleben. Einmal kann ich mich erinnern, habe ich 40 Meter rausgeholt, das war glaube ich 1939. Der Start war in Potsdam und das Ziel im Tiergarten. Auf diesen Lauf haben wir dann schon das ganze Jahr gewartet - das war ein Ereignis! Und einmal war ich bei einem Länderkampf gegen Luxemburg dabei.

Und welche Menschen?
Eisermann: Ach, viele Kameraden, viele auch, die nun nicht mehr sind. Walter Blume und Otto Sauer, Fritz Landgraf und Hans Scharnberg, Theo Pohle. Dr. Klaus Henk kenne ich schon seit seiner Kindheit. Man hat ja auch Sportgrößen der Zeit kennen gelernt. Gerhard Stöck, der Olympiasieger im Speerwerfen 1936, und auch Jesse Owen, den haben wir beim Training gesehen. Der hat zu uns gesagt, als er uns trainieren sehen hat, „Immer langsam!“. Sohn Kee-Chung, der Olympiasieger im Marathon 1936, war ein richtig feiner Kerl. Als der nochmal nach Berlin kam, habe ich ihn nochmal im Hotel besucht und wir haben uns lange unterhalten.

Und dann kam der Krieg?
Eisermann: Ja. Ich habe im Zweiten Weltkrieg zwei Jahre aktiv gedient, in Frankfurt/Oder und in Lübben. Im Polen-Feldzug bin ich verwundet worden. Dann war ich in Frankreich, in Russland, auch in Italien. Schließlich bin ich nach Afrika versetzt worden und in Gefangenschaft. Dann bin ich nach Amerika gekommen und von da über Texas, Oklahoma, Florida und New York dann wieder nach England gekommen, wo ich meinen älteren Bruder Erich wiedergetroffen habe - im Gefangenlager in Stratford-upon-Avon. Nach dem Krieg, als ich aus der Gefangenschaft zurückkehrte, hieß es erst einmal Steine kloppen und dann wurde ich bei der Flughafen GmbH angestellt, in Tempelhof, wo ich bis zur Pensionierung geblieben bin. Ich bin auch wieder zum SCC zurückgekehrt. Den Lauf Potsdam-Berlin gab es noch, aber er startete dann nicht mehr in Potsdam, sondern auf Westberliner Gebiet. Ich hatte irgendwann eine Achillessehenverletzung und konnte nicht mehr laufen. Aber im SCC bin ich immer geblieben.

Was hat für Sie die Verbindung zum SCC ausgemacht?
Eisermann: Die Freunde waren da. Es waren schöne Zeiten. Nach Feierabend ist man zum Sportplatz gegangen und hat trainiert, das hat Spaß gemacht. Waldlauf haben wir zum Beispiel immer in Gruppen gemacht, auch damals schon vom Mommsenstadion aus. Aber danach etwas trinken war nicht. Wir hatten ja nicht mal die 20 Pfennig für eine Schorle oder die zehn Pfennig für die Brause, da sind wir dann manchmal zu viert drunter gegangen! Das ging alles auch und wir haben über die Jahre viel Freude daran gehabt. Wir haben damals ja kein Geld damit verdient, sondern haben dafür bezahlt, weil es Spaß gemacht hat.

Sie sind Mitglied in der Leichtathletik-Abteilung gewesen und nun Mitglied in der Senioren- Abteilung?
Eisermann: Ja, da hatten wir schon so ein bisschen drauf gewartet und dann wurde die Senioren-Abteilung ins Leben gerufen - mit vielen spannenden Veranstaltungen, Besichtigungen von z.B. KPM, dem neuen Flughafen und ein Ausflug zum Insulaner. Meistens haben wir da an den Ausflügen teilgenommen. Nur in den letzten Jahren nicht mehr, als wir merkten, dass wir inzwischen immer hinterherlaufen - sonst sind wir meist vorneweg gelaufen! Aber jetzt ist demnächst ja wieder das Eisbeinessen im Ratskeller und dann unser Adventskaffee im Hotel Seehof, da nehmen wir noch dran teil und freuen uns auch schon sehr darauf!