Volleyball: BR Volleys kämpfen Haching nieder

  • Andreas Hilmer

Der Deutsche Meister BERLIN RECYCLING Volleys hat am Sonntag in einem mitreißenden Match die Tabellenführung der Bundesliga gegen Generali Haching verteidigt. Mit dem 3:2 (21:25, 21:25, 25:21, 25:22 und 15:12) vor 5.248 begeisterten Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle wahrten die Hauptstädter zugleich ihre makellose Bilanz von nunmehr zehn Siegen in zehn Spielen.


BR Volleys Manager Kaweh Niroomand wollte vor dem ersten Ballwechsel "keinen Favoriten" ausmachen. Eine Einschätzung, die sich gleich in der Anfangsphase bestätigen sollte. Die Gastgeber lagen bis zum 11:11 zwar ständig vorn, doch bei 11:13 verschafften sich die Gäste eine Minimalführung. Zwei Asse von Paul Carroll und Robert Kromm brachten die Berliner bei 21:19 wieder in Front, aber die Unterhachinger, mit Christian Dünnes an der Aufschlaglinie, verbuchten nun sechs Zähler am Stück (!) und sicherten sich damit den Auftaktsatz.

Wie würden die Hausherren auf diese Herausforderung reagieren? Verschiedene Wechsel Mitte des zweiten Durchgangs ließen erkennen, dass BR Volleys Coach Mark Lebedew nach einer Antwort auf das kompakte Spiel der Süddeutschen suchte: Roko Sikiric für Scott Touzinsky, Aleksandar Spirovski für Paul Carroll, Sebastian Kühner für Spielmacher Kawika Shoji, sowie später Björn Höhne für Robert Kromm brachten neuen Schwung. Im Wechselspiel mit der Kulisse, die sofort mitzog, gelang eine Aufholjagd von 15:21 auf 19:22, zum Satzausgleich reichte es jedoch nicht mehr.

Spirovski, Höhne und Mittelblocker Ricardo Galandi (für Felix Fischer) durften im dritten Abschnitt von Anbeginn weitermachen. Allerdings hielt Generali an der stabilen und erfolgreichen Struktur seines Spiels fest: cleverer im Angriff, aufmerksamer im Block, beweglicher in der Abwehr und zunehmend mit stärkerer Wirkung beim Aufschlag. Die Zwischenstände von 5:10 und 8:13 aus Berliner Sicht ließen vermuten, dass an diesem Tag nur ein kleines "Volleyball-Wunder" den Deutschen Meister noch auf die Siegerstraße führen konnte.

Und tatsächlich sich gaben die BR Volleys nie auf und kämpften sich eindrucksvoll zurück in die Partie. Die Max-Schmeling-Halle vibrierte unter dem begeisterten Klatschrhythmus des Publikums, als die Berliner  aus einem 11:15 das 15:15 machten. Ein Flatteraufschlag von Galandi auf den Holläner Jan Willem Snippe bescherte den Gastgebern die bejubelte und zwischenzeitlich kaum noch für mögliche gehaltene 20:19-Führung. Kurz zuvor hatte eine großartige Rettunsgaktion von Libero Martin Krystof mit folgendem Außenangriff von Zuspieler (!) Kühner das wichtige 18:18 ergeben. Als Sprirovski mit einem Ass zum 22:20 zum folgenden Satzgewinn zementierte, waren die Zuschauer kaum noch auf den Rängen zu halten.

Im vierten Durchgang schienen die Hachinger bei 5:12 erneut uneinholbar einteilt, doch der Deutsche Meister zeigte jetzt endgültig, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Eine Aufschlagserie von Kühner ergab nach 14:17 das 17:17  Auf das 18:20 antworteten die Berliner mit leidenschaftlich und konsequent abgeschlossenen Angriffen. Lohn war der Satzausgleich, so dass der Tie-break die ultimative Entscheidung bringen musste.

 Auch hier hatte Generali zunächst die Nase vorn (4:6 und 5:7). Und wieder kämpften sich die BR Volleys zurück, glichen aus und erschmetterten sich bei 12:10 erstmals einen 2-Punkte-Vorsprung. Dem Kroaten Roko Sikiric war es vorbehalten, den ersten Matchball zum lange Zeit nicht mehr für möglich gehaltenen Fünfsatz-Erfolg zu verwandeln. Stehend feierten die Zuschauer mit "BRV"-Chören den Triumph in einem Volleyball-Spektakel, das – wenn auch nicht durchgängig auf höchstem Niveau – durch die Dramaturgie des Geschehens faszinierte und beste Werbung für die Sportart war.


Stimmen nach dem Spiel:

BR Volleys Angreifer Robert Kromm: "Wir haben anfangs zu viele Fehler gemacht und uns dann erst mit dem Rücken zur Wand und mit Hilfe der Kulisse in einen Rausch gespielt. Sensationell wie wir am Ende, als wir unseren Rhythmus endlich gefunden hatten, unsere Festung Max-Schmeling-Halle verteidigt haben."

Hachings Kapitän Christian Dünnes auf die Frage, wie groß die Enttäuschung sei, nach 2:0 noch verloren zu haben: "Ja, die Enttäuschung ist da, denn wir hätten 3:0 oder 3:1 gewinnen müssen Dass dies nicht gelang, haben wir einerseits uns selbst zuzuschreiben und andererseits natürlich der Leistungssteigerung der Berliner. Wir haben unser Niveau und den Druck auf die Gastgeber nicht aufrechterhalten können. Kompliment an die BR Volleys, die sind da offensichtlich einen Schritt weiter und haben das auch schon in der Champions League bewiesen."

Berlins Zuspieler Sebastian Kühner: "Der Trainer hat mir vor der Einwechselung gesagt, wir sollen mehr Emotionen ins Spiel bringen und uns voll reinhängen. Das habe ich versucht. Und als es im dritten und vierten Satz schon sehr kritisch für uns aussah, haben wir nicht nachgelassen und uns Punkt für Punkt herangekämpft. Dass es spielerisch nicht immer reibungslos lief, hat auch damit zu tun, dass sich beide Mannschaften und die meisten Spieler sehr gut kennen."

Für die BR Volleys geht das harte Programm der letzten Woche ohne Pause weiter. Am kommenden Mittwoch (19.12.  um 19.00 Uhr) müssen die Berliner beim Lokalrivalen VC Olympia (Sporthalle am Anton-Saefkow-Platz) antreten. Am kommenden Samstag (22.12. um 19.30 Uhr) wartet dann mit dem Auswärtsspiel beim VfB Friedrichshafen noch eine Herausforderung der ganz schwierigen Art auf Berlins Volleyballteam Nr 1.