Volleyball DVV-Pokal: EIN WÜRDIGES ENDSPIEL

  • Andreas Hilmer

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Der VfB Friedrichshafen hat zum fünften Mal im Gerry-Weber-Stadion und zum zwölften Mal insgesamt den DVV-Pokal gewonnen: Der Rekordpokalsieger siegte in einem packenden und sehr wechselhaften Finale vor 10.200 Zuschauern 3:2 (20-25, 25-15, 20-25, 25-16, 15-12) gegen den Deutschen Meister BR Volleys und machte zweimal einen Satzrückstand wett.


Rekordpokalsieger gegen Deutscher Meister, 19 aktuelle Nationalspieler aus elf Nationen, Tabellenführer gegen den Tabellenzweiten! Das waren die Fakten vor dem „Duell der Giganten“ zwischen dem VfB Friedrichshafen und den BR Volleys. Nicht nur Friedrichshafens Zuspieler Nikola Jovovic hatte vor dem Finale gemutmaßt, „die Chancen stehen 50:50.“ Ein ausgeglichenes Finale der beiden besten deutschen Teams erwarteten alle.

Doch es kam zunächst ganz anders: Berlin mit seinem Diagonalangreifer Paul Carroll machte enorm viel Druck von der Aufschlaglinie, und auch aus dem Rückraum war der Australier nicht zu halten. Bei der ersten technischen Auszeit im ersten Satz hatten die Berliner sieben Zähler Vorsprung (8-1). Auch in der Folge hatte die Mannschaft von Stelian Moculescu Probleme, seinen Rhythmus zu finden, und lief dem Rückstand stets hinterher. Die ersten zwei Satzbälle konnte Friedrichshafen noch abwehren, dann war Mittelmann Tomas Kmet zur Stelle.

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Gegen Ende des ersten Satzes war das Team vom Bodensee etwas besser in die Partie gekommen, dieser Trend setzte sich zu Beginn des zweiten Satzes fort. Kapitän Max Günthör sorgte mit einem mächtigen Block (am Ende hatte Günthör acht Blockpunkte und somit zwei mehr als die gesamte Berliner Mannschaft) gegen Robert Kromm für einen „Weckruf“, anschließend punktete der italienische Diagonalangreifer Ventceslav Simeonov per Aufschlag und Angriff (5-8). Die Leichtigkeit der Berliner war dagegen verflogen. Kromm und Carroll wurden vom gegnerischen Block gestoppt, zudem kamen nun die gefürchteten VfB-Aufschläge in Serie. Baptiste Geiler schraubte damit den Vorsprung auf acht Punkte (7-15). Am Ende war der Satzausgleich nur noch Formsache, Carroll setzte – etwas symptomatisch für diesen Durchgang – seinen Angriff weit hinter die Linie.

Verliefen die ersten beiden Sätze überraschend einseitig, so entwickelte sich im dritten Satz der von allen erhoffte und erwartete Schlagabtausch. Die Führung wechselte hin und her, kein Team konnte sich mit mehr als zwei Punkten absetzen. Als Simeonov zweimal seinen Angriff nicht unterbringen konnte, hatte Berlin erstmals ein wenig „Luft“ (14-11). Dann kam die Zeit des längsten Spielers im Finale: der 2,12 Meter große Außenangreifer Kromm servierte acht Mal in Serie und sorgte somit nahezu im Alleingang für die Vorentscheidung (21-14) und die 2:1-Satzführung. „Es ist viel vom Aufschlag abhängig, dann passieren solche Wechsel wie in diesem Spiel“, meinte Lebedew nach dem Spiel und sollte damit auch für die Sätze vier und fünf richtig liegen.

Der Rekordpokalsieger war gefordert und zeigte eine Reaktion: Die Mittelblocker Günthör und Victor Yosifov punkteten per Block und Angriff und brachten ihr Team in Front (6-10). In der Folge punkteten beide Teams aus der Annahme, sodass sich nichts an der Punkte-Differenz änderte (12-16). Dann waren es erneut die Aufschläge, die vorentscheidenden Charakter hatten. Der französische Nationalspieler Baptiste Geiler setzte Kromm erfolgreich unter Druck (13-21) – der fünfte Satz musste entscheiden., nicht unbedingt die Lieblings-Disziplin der Friedrichshafener, die in dieser Saison von acht Tiebreaks sieben verloren hatten.

Die Berliner ließen beim 4-3 die erste Punktchance wegen eines Missverständnisses liegen, anschließend sorgte ein Günthör-Block gegen Lisinac für das erste Break im Spiel. Der „König von Halle“ - es war bei der neunten Auflage in HalleWestfalen seine achte Finalteilnahme - jubelte ausgelassen (5-6). Aber der Konter der Berliner folgte prompt und dreifach: Carroll brachte per Angriff und Block den Führungswechsel (8-6). Kromm mit einem Angriff über den hohen Doppelblock sowie ein weiterer Block von Carroll sorgten für vier Zähler Vorsprung und tobende Berliner Fans (10-6). Doch auch Friedrichshafen schlug in Form einen Günthör-Blocks und eines Geiler-Aufschlags zurück und glich aus (11-11). Dann gar der Führungswechsel, weil der eingewechselte Christian Dünnes ein Ass servierte (12-13). Und auch die nächsten zwei Punkte gingen an Friedrichshafen, weil weder Kromm noch Carroll am Block der Häfler vorbeikamen. 3:2-Sieg für den VfB Friedrichshafen und zum zwölften Mal Sieger des DVV-Pokals. „Friedrichshafen hat am Ende wie ein Champion gespielt“, zollte Berlins Mark Lebedew dem Sieger Respekt und schob nach: „Diese Niederlage tut natürlich weh!“


 

Stimmen zum Finale

Stelian Moculescu (Trainer Friedrichshafen): „Kompliment an meine Mannschaft! Sie hat oft gute Leistungen gezeigt, ist aber nicht belohnt worden. Natürlich hatten wir auch das nötige Glück, aber entscheidend waren am Ende der Aufschlag und unser Block-Abwehrverhalten. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, selbst der Tiebreak verlief wie die ganze Partie, es war ein auf und ab. Mich freut es auch für Christian Dünnes, der das Spiel am Ende entschieden hat.“

Max Günthör (Kapitän Friedrichshafen): „So ein Spiel hatte ich nicht erwartet! Ich dachte, es wird klarer für ein Team. Den Leuten hat es Spaß gemacht, die Stimmung war so gut wie noch nie bei einem Männer-Finale. Ich bin froh, dass wir in unserem neunten Tiebreak-Spiel in dieser Saison zum zweiten Mal gewonnen haben.“

Christian Dünnes (Spieler Friedrichshafen): „Ein riesiges Kompliment an meine Mitspieler, die sich nach dem verlorenen ersten Satz zurück ins Spiel gekämpft haben. Auch nach dem dritten Satz sahen die BR Volleys schon wie der sichere Sieger aus, und dann haben wir keine Fehler mehr gemacht und uns den Titel geholt!“

Mark Lebedew (Trainer Berlin): „Diese Niederlage tut natürlich weh! Friedrichshafen war in dem entscheidenden Moment stabil und hat nochmals den Druck im Aufschlag erhöht. Da haben sie wie ein Champion gespielt.“

Scott Touzinsky (Kapitän Berlin): „Das war ein harter Kampf zweier großartiger Mannschaften. Es war eine phantastische Atmosphäre und kommt gleich hinter dem Olympia und -World League-Finale. Das hat – trotz der Niederlage – Spaß gemacht.“

Sebastian Kühner (Spieler Berlin): „Schwer zu sagen, woran es gelegen hat. Es war ein knappes Spiel mit vielen Höhen und Tiefen für uns. Letztendlich haben im fünften Satz Kleinigkeiten entschieden. Friedrichshafen hat am Ende die bessere Phase gehabt.“

Bundestrainer Vital Heynen: „So muss ein Pokalfinale sein. Es war nicht das höchste Niveau, weil der Druck einfach hoch ist. Aber es war unglaublich spannend, vor allem der fünfte Satz“

Quelle DVL-Presseservice